Was ist ein guter Vater?

Meine Frau hatte mich vor einigen Wochen darauf angesprochen, bzw vorgeschlagen, bei einem Interview zum Thema “moderne Väter” für eine lokale Zeitschrift mitzumachen. Zunächst fand ich den Vorschlag reizvoll und interessant, aber kurz vor dem ersten Termin gab es einige kleinere Probleme, die mich an der Qualifikation zu diesem Thema doch haben zweifeln lassen, da ich mich in genau diesem Moment eben nicht als guter Vater gefühlt habe.

Ich kann mich heute nicht mehr genau an die “Probleme” erinnern, aber es war etwas, wo wir als Eltern die üblichen Meinungsverschiedenheiten zur Erziehung unserer Tochter hatten, bzw das eine oder andere, was ich getan habe, von meiner Frau als nicht richtig gesehen wurde. Letztlich kam dann auch noch einiges an unprofessionellem Verhalten seitens des Verlages dazu (eMail vom Fotografen an alle Väter mit sichtbaren eMail Adressen), so dass ich dann letztlich abgesagt habe.

Heute habe ich dann den Artikel gelesen – und bin ehrlich gesagt froh darüber, dort nicht vertreten zu sein. Warum?Nun, zum einen erscheint mir der eigentliche Artikel sehr oberflächlich.

Es geht im wesentlichen um generelle Probleme, Literatur zu dem Thema.

Es geht aber vor allem um eines nicht: DIE VÄTER.

Das fand ich schon etwas komisch.

Die Väter selber kommen nur in kurzen Textabschnitten zu Wort. Und auch diese sind in meinem Empfinden eher belanglos bzgl Ihres Inhaltes. Die Varianz reicht von: Ich arbeite nur noch 100%, um für meine Kinder da zu sein, über: Mir ist es wichtig, gemeinsam zu essen bis hin zu “was soll das ganze Thema eigentlich, ich gehe arbeiten, meine Frau ist zuhause. Alles gut”. Informationsgehalt geht für mich wirklich gegen Null, es fühlt sich an, als müsse hier etwas bearbeitet werden, dass sich entweder nicht bearbeiten lässt oder das gar nicht richtig durchdrungen werden soll.

Letztlich ist das Thema sicherlich sehr interessant, denn es stellen sich natürlich mal mindestens 2 Fragen:1) Was ist eigentlich ein guter Vater?2) Wie lässt sich das “guter Vater” sein mit dem Alltag vereinbaren Grundsätzlich denke ich, dass ein Guter Vater zu sein immer eine sehr persönliche Einschätzung ist, denn letztlich gibt es hier genau einen Personenkreis, der qualifiziert ist, hier ein Urteil zu fällen: die eigene Familie!

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass wir hier immer wieder über unsere eigenen Rollen reflektieren, Probleme besprechen und versuchen, an uns zu arbeiten, unser Kind zu unterstützen und zu führen, Ihm Räume zu schaffen, sich zu entwickeln und sich zu entfalten. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, wir sind nicht immer einer Meinung, aber ich denke, wir sind insgesamt gute Eltern. Somit sind wir wohl auch eine gute Mutter, bzw ein guter Vater. Auch wenn es natürlich immer wieder Ausreißer gibt und das nicht jeder in der Familie zu jeder Sekunde so empfindet.

Die eigentlich interessante Frage ist allerdings, was ist das Wertesystem eines guten Vaters. Auch das ist ganz sicher sehr persönlich. Und hier treffen eben Sichtweisen aufeinander. Als Vater ist einem sicherlich wichtig, für die Familie sorgen zu können, auch finanziell. Als Mutter ist es einem wichtig, dass der Vater aktiv am Familienleben und der Kindererziehung teilnimmt. Als Kind ist es vielleicht noch am einfachsten. Da ist es wichtig, dass man Aufmerksamkeit und Liebe bekommt. Dass man ernst genommen wird.

Als jemand, der nicht sagen kann, dass er eine gute Kindheit hatte und die Eltern, die er sich gewünscht hat, versuche ich, viele Dinge anders zu machen als mein eigener Vater. Ich versuchen explizit Zeit für mein Kind zu schaffen. Ich versuche neben all meinen persönlichen Bedürfnissen auch denen der Familie nachzukommen. Das ist natürlich nicht immer einfach, ein stetiges Abwägen von Dingen. Aber es gehört dazu. Das gleich gilt auch für den Spagat zwischen Job (materielle Absicherung) und Zeit für die Familie (emotionale Absicherung). Ich empfinde dies als stetigen Kampf zwischen beiden Sachen, denn beides vernünftig parallel nebeneinander hinzubekommen, ist nahezu unmöglich!

Und ich fühle mich da selber auch sehr oft zerrissen.

Inzwischen bin ich auch schon mitten in der zweiten Frage: Wie kann ich meine Vaterrolle mit dem Alltag vereinbaren. Wahrscheinlich geht das nur, wenn ich jedes Mal überlegen, wie ich welche Prioritäten gerade setzen muss. Was ist gerade wichtiger? Der Chef, ein wichtiger Deal oder eine Aktivität mit der Familie. Um das etwas einfacher zu gestalten, versuche ich mit an Tag und Tageszeit zu orientieren. An Werktagen zu normalen Arbeitszeiten geht meistens der Job vor, ansonsten versuche ich, der Familie und gemeinsamer Zeit mehr Priorität einzuräumen. Das ganze ist natürlich nicht schwarz-weiß, auch nicht grau: Es gibt ganz viel Farbe zwischen schwarz und weiß.

Letztlich zählt nur eins, dass der Mix aus all diesen Dingen für die wichtigen Personen im Leben – der Familie – ok ist. Aber da sich alles immer wieder ändert, hilft es letztlich nur, das ganze immer wieder zu reflektieren und vor allem auch von allen Seiten offen über eigene Bedürfnisse zu reden, auch über Dinge, die nicht gut gelaufen sind. Und daran zu arbeiten.

Wir alle ändern uns permanent, entwickeln uns. Und ich denke, eines ist wahrscheinlich eindeutig. Ein guter Vater zu sein ist immer eine Betrachtung einer Situation. Ich kann jetzt ein guter Vater sein, in 5 min bin ich es dann vielleicht genau nicht.

Von daher denke ich, dass mein Schluss hier ist, neben der Tatsache, nicht bei dem Artikel mitgemacht zu haben, dass wir alle, die wir Väter sind, das in jedem Moment sind, dass wir in jeder Situation Entscheidungen treffen müssen. Und genau diese sollten wir versuchen, bewusst zu treffen. Entscheide ich mich gerade für den Job oder die Familie? Am besten haben wir einen Grund für die Entscheidung. Ich kann für mich sagen, ich fahre damit ziemlich gut, mir gegenüber. Ich versuche Entscheidungen bewusst zu treffen, wenn ich muss. Dann habe ich für mich und andere eine klare Kante. Und damit lässt sich meistens besser umgehen, als wenn eine Entscheidung nicht nachvollziehbar ist für andere. Es macht nichts besser. Aber ich denke, dass mein Kind dann weiß, woran es ist, warum ich gerad etwas nicht tun kann, was es möchte. Meine Erfahrung bisher ist, dass das gut funktioniert.

Und vielleicht ist das auch ein wichtiger Teil davon, ein guter Vater zu sein: Gut mit dem Kind und der Partnerin zu kommunizieren.

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